Friday, September 29, 2017

Norbert Trawöger präseNTiert: Folge#2 Der Orchestergraben


Mein Instrument. Meine Musik.

Gerda Fritzsche,
Bratschistin




Gerda Fritzsche, Foto: Georg Aufreiter
Mein Instrument:
Ich habe mit fünf Jahren begonnen, Geige zu lernen. Ich liebte Musik von Anfang an, aber ich konnte mich mit dem Klang des Instruments nicht anfreunden. Mit 14 wollte ich aufhören. Als mir dann meine Lehrerin eine Bratsche in die Hand gab, war es Liebe auf den ersten Blick! Die C-Saite und die Ähnlichkeit zur menschlichen Stimmlage faszinierte mich. Ab diesem Moment ging alles extrem schnell. Ich gründete ein Streichquartett, wir hatten fantastische Erlebnisse in aller Welt. So stieg die Motivation, mehr zu wollen. Ich erhielt ein Stipendium und studierte in Belgien bei Michael Kugel. Er arbeitete auf der virtuosen Linie, gegen das Image der Bratsche als langsames Instrument an. Wir spielten Paganini und waren topfit. Dann ging alles Schlag auf Schlag! Ich gewann mein erstes Probespiel beim London Philharmonic Orchestra. Und wie das dann nicht klappte, weil ich einfach zu dem Zeitpunkt noch zu unerfahren und zu jung war, habe ich in Linz vorgespielt und so bin ich hierhergekommen. Das ist meine Geschichte. Es ist meine vierzehnte Saison beim Bruckner Orchester Linz. Es war eine tolle Zeit bis jetzt und es bleibt spannend.

Meine Musik:
Meine Musik ist immer die, die ich gerade spiele, ob im Orchester, in der Kammermusik oder als Solistin. Zu Hause höre ich keine, aber im Kopf habe ich immer Musik. Es sei denn, ich mache einen Großputz, dann leg ich mir vielleicht einmal Ella Fitzgerald auf. Stille ist wichtig – ohne die Stille haben wir nicht die Möglichkeit zu musizieren.






Monday, September 11, 2017


AUFBRUCH



Im Zentrum der Großen Konzertnacht

in der PostCity standen die beiden Innensätze

der 8. Sinfonie von Anton Bruckner -

als Dreh- und Angelpunkt.


Bruckners Musik bildete das Fundament, die Wände und vielleicht auch den Himmel, in denen sich das Publikum ganz zentral in der Gleishalle frei bewegen konnte. Die Zuhörenden waren im Zentrum, in der Manege, die auf der einen Seite vom Bruckner Orchester Linz und auf der anderen Seite von einer Band mit Musikern wie dem großen Weltgitarristen Nguyên Lê, Hugo Siegmeth (reeds), Harald Scharf (bass) und Bastian Jütte (drums) flankiert wurden. Es wurde ein symphonischer Raum um das Publikum errichtet, das darin wandeln, verharren und seine Ohren leicht in alle möglichen Richtungen spitzen konnte.


Der Brucknersche Sinfonien-Innenraum wurde aufgebrochen, kommentiert, reflektiert und eben ganz unmittelbar für die Zuhörenden betretbar. Form und Inhalt wurden bei diesem Konzertereignis neu verhandelt. Das liegt der Natur des Ars Electronica Festivals, das Jahr für Jahr am Puls der Zeit den Fortschritt der visionären Technologien vorstellt, diskutiert und in gesellschaftlichem Kontext denkt. Das Thema des heurigen Festivals war „Artificial Intelligence - Das andere Ich".

Das lag aber auch an dem einzigartigen Hör- und Schauplatz der Gleishalle im ehemaligen Postverteilzentrum und vor allem am Setting und der Dramaturgie, die sich Markus Poschner mit seinen Musikerinnen und Musikern ausgedacht hatte. Poschner leitete sein Orchester, wechselte aber auch zur Band und griff in die Tasten seines Klaviers, um über, an und mit Bruckners Klängen zu improvisieren. Es war jedoch weit mehr als ein Hin und Her, die Klangfäden wollten aus der Sinfonie gezogen und in viele Perspektiven gespannt werden. Letztlich wurde ein anderer Erlebnisraum als das tradierte Konzertgehäuse versucht. Und das mit Erfolg!

Markus Poschner, seine Band und das BOL brachen in eine andere
Dimension auf. Die Große Konzertnacht stand am Beginn seiner Zeit als
Chefdirigent des Bruckner Orchester Linz. Es war durchaus als eine Ansage zu verstehen.


EIN AUFBRUCH!